Klassische Blumenwiesen stark gefährdet

Neue Rote Listen der Lebensraumtypen vorgestellt

Nicht nur Trockenrasen, Halbtrockenrasen und naturnahe Hoch- und Niedermoore, sondern auch „Artenreiches Grünland frischer Standorte“, also die klassischen Blumenwiesen, die als Heuwiese in der Regel zweischürig genutzt werden, werden in der neuen Roten Liste als „von vollständiger Vernichtung bedroht“ eingestuft (siehe Kurzfassung Rote Liste, Seite 5: http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/rote_liste_pressehandout_bf.pdf ).

Als Ursachen sind der vermehrte Siedlungsdruck, aber vor allem die Intensivbewirtschaftung der Wiesen mit Kunstdünger und häufigen Mahdterminen sowie die Umwandlung von Wiesen in Ackerland anzunehmen.

Was kann man tun?

Erhalt der bestehenden Biotope durch sachgerechte Pflege:

Zuvorderst sollten die verbliebenen artenreichen Blumenwiesen frischer Standorte vom nutzenden Landwirt weiterhin lebensraumgerecht gepflegt werden.

Das bedeutet für diese Wiesentypen meist eine zweischürige Mahd mit dem ersten Heuschnitt zur Gräserreife Mitte bis Ende Juni mit trocknen des Schnittguts auf der Fläche, damit die saatguttragenden Pflanzen auf der Fläche absamen können. Eine zweite Mahd kann dann gegen Ende des Sommers stattfinden.

Der Wiesenbestand sollte bei Bedarf nur mäßig organisch gedüngt werden, z.B. mit Pferdemist. Oft ist es besser, zumindest zweitweise auf eine Düngung zu verzichten, denn es findet auch Stickstoffeintrag über die Luft statt.

Eine dementsprechende Pflege fördern die Umwelt- oder Landwirtschaftsämter mit Erschwernisausgleichszahlungen (z.B. Vertragsnaturschutzprogramm oder KULAP).

Bitte erkundigen Sie sich bei den betreffenden Stellen nach den Möglichkeiten einer Förderung. Letzten Endes ist eine lebensraumgerechte Pflege von artenreichen Frischwiesen vor allem ein Beitrag zum Erhalt eines letzten Stücks intakter Natur, von dem neben Pflanzen, Insekten und Tieren auch wir Menschen profitieren.

Extensivierung von Flächen:

Eine Möglichkeit, wieder mehr artenreiche Frischwiesen zurück in die Landschaften zu bringen, besteht darin, Flächen, die zwar schon etwas aufgedüngt wurden, aber noch Potential zur Rückentwicklung zum Arten- und Blütenreichtum haben, wieder zu extensivieren.

Mit einem angepassten Mährhythmus und unter Verzicht der Düngung kann die Wiese wieder ausgehagert werden. Achten Sie daruf, ob im Bestand z.B. noch Wiesenmargerite, Wiesen-Witwenblume, Wiesen-Bocksbart oder Wiesen-Flockenblume vorhanden sind, um ein paar auffällige Pflanzen zu nennen. In einem solchen Fall kann man annehmen, dass eventuell auch noch andere Arten aus der Garnitur der lebensraumtypischen Arten in der Fläche schlummern und auf bessere Bedingungen warten. Erkundigen Sie sich im Zweifel bei Ihrem zuständigen Umwelt- oder Landwirtschaftsamt, ob die Fläche als förderungsfähig eingestuft werden kann und welche Maßnahmen am zielführendsten wären.

Neuansaat artenreicher Wiesen:

Eine weitere Möglichkeit, den Anteil der artenreichen Frischwiesen in der Kulturlandschaft wieder zu erhöhen, besteht in einer Neuansaat entsprechender Wiesentypen. Hierfür kann entweder artenarmes Grünland umgebrochen oder aber Ackerland neu mit artenreichen Ansaatmischungen angesät werden.

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