Wildbienenförderung im Hausgarten

Auch Honigbiene und Hummeln profitieren

In Deutschland gibt es 580 verschiedene Bienenarten. Neben der allseits bekannten Honigbiene sind dies die verschiedenen Hummelarten und vor allem die vielen unterschiedlichen Arten von Wildbienen.

Honigbiene, Hummel- und Wildbienenarten: unverzichtbare Helfer

Neben der nicht wegzudenkenden Honigbiene haben die Hummeln und die Wildbienen eine außerordentlich große Bedeutung für den Bestäubungsvorgang in der Pflanzenwelt. Im Gegensatz zur Honigbiene fliegen manche stärker behaarten Wildbienenarten und Hummeln sogar bereits bei relativ tiefen Temperaturen und auch bei wechselhaftem Wetter aus, was sie bei solchen Bedingungen besonders wichtig macht.  Manche Pflanzen sind gar aufgrund des speziellen Baus ihrer Blüten hauptsächlich auf den Besuch durch besonders angepasste Wildbienen angewiesen.

Wildbienen: Brutplatz und Nahrungshabitat auf engem Raum

Wildbienen benötigen vor allem drei Voraussetzungen:
1. Geeignete Nistmöglichkeiten,
2. Baumaterial für die Anlage der Brutzellen und
3. Nahrung in Form von pollen- und nektarliefernden Blütenpflanzen.
Wenn diese drei Bedingungen innerhalb eines Umkreises von 100 bis 300 Metern erfüllt sind, stehen die Chancen auf die Anwesenheit für Wildbienen prinzipiell gut: 100 bis 300 Meter ist der typische Aktionsradius von Wildbienen.

Nistplätze der Wildbienen

Sandbiene
Erkennen Sie die Wildbiene?
Sandbiene am Eingang ihrer Bruthöhle  

Über die Hälfte der in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten legen Ihre Brutzellen unterirdisch an. Dabei werden sonnige und trockene Stellen mit feinkörnigem Oberboden bevorzugt.
Für rund ein Fünftel der Arten sind dagegen bereits bestehende Hohlräume zum Überleben notwendig: sie sind auf rissiges Totholz, hohle Pflanzenstängel, sowie Erd- und Felsspalten oder offene Mauerfugen angewiesen. Nur ein kleiner Anteil der Arten ist dazu in der Lage, selbst Gänge in markige Pflanzenstängel oder morsches Holz zu beißen.
Wenige Arten haben sich sogar auf einen so exotischen Ort wie verlassene Schneckenhäuser für die Anlage Ihrer Gelege spezialisiert.

Baumaterialien für die Brutzellen

Wird ein prinzipiell geeigneter Nistplatz nach ausgiebigem Auskundschaften für gut genug befunden, beginnt die Anlage der Brutzellen. Hierfür wird Baumaterial aus der näheren Umgebung herangeschaftt: es werden z.B. Blattstückchen, Teile von Blüten, kleine Holzteilchen, Lehm, Erde oder Sand verwendet, die in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen und verarbeitet werden.

Nahrung: Nektar und Pollen

Wildbiene auf Großem Bocksbart
Diese Wildbiene nimmt ein "Bad"
in der Blüte des Großen Bocksbarts 

Ein reichhaltiges und möglichst dauerhaftes Angebot von Blühpflanzen, die Nektar und Pollen liefern, sichern der Wildbiene die Versorgung der Brut. Denn die Larven, die in den Erdgängen und Hohlräumen in einzelnen, voneinander getrennten Brutzellen heranwachsen und in der Regel erst im Folgejahr schlüpfen, brauchen als Mitgift Nektar und Pollen für Ihre Entwicklung. Nebenbei tanken die bei der Brutanlage sehr emsigen Wildbienen natürlich zur Selbstversorgung auch Energie von den Blüten. Aber Achtung: nicht alle Blüten liefern gleich viel oder überhaupt irgend etwas! Stichwort "gefüllte Blüten", dazu weiter unten etwas mehr.

Was kann man im Garten für die Förderung von Wildbienen tun?

1. Angebot von potentiellen Nistplätzen:

Schilfrohrmatte als Nisthilfe für Wildbienen
Nisthilfe Schilfrohrmatte

Totholz als Nisthilfe für Wildbienen
Nisthilfe Totholz

Rohboden als Brutplatz für Wildbienen
Nistgelegenheit feinkörniger Rohboden

Weiden als frühblühender Pollenlieferant für Wildbienen
Weiden spenden früh schon Pollen

Wildstauden: Glockenblumen als Wildbienenmagnet
Pflanzung von Wildstauden:
Glockenblumen als Wildbienenmagnet

Wasserdost am Teichrand bietet Nahrung für Wildbienen und Bienen
Auch am Teichufer kann man etwas
für Wildbienen tun: Wasserdost

Ansaat von einjährigen Sommerblumenwiesen zur Wildbienenförderung
Ansaat von langblühenden, einjährigen
Sommerblumenwiesen

Ansaat von mehrjähriger Bienenweide zur Förderung von Wildbienen
Ansaat von mehrjähriger, artenreicher
Bienenweide

Auch Hummeln und Bienen profitieren von Schritten zur Förderung der Wildbienen
Auch die Hummeln laben sich an den
ungefüllten Blüten des Roseneibischs

Dazu gehören:
- die Bereitstellung unbewachsener und sonniger Rohbodenstellen, z.B. kleine Kies-, oder Sandinseln
- die Anlage von Trockenmauern oder Lesesteinhaufen
- das Stehenlassen von trockenen Pflanzenstängel (Ø 1-2 cm oder mehr)
- der Verzicht auf das Verfugen von Mauerritzen oder von Wegplatten
- das Anbieten von Nisthilfen, die Hohlräume bieten (4-7 mm Hohlraumdurchmesser), z.B. kurze Gänge in Hartholz gebort, rissiges Totholz, Pflanzenstängel (Außendurchmesser 1-2 cm), Schilfhalme, Schilfrohrmatten, Bambus, Lehmwände, leere Schneckenhäuser (z.B. Gehäuse der Weinbergschnecke einzeln (!) auf wenig bewachsenem Boden verteilen)

2. Angebot von Baumaterial:

Ein strukturreicher Garten, in dem nicht alles gleich kurz und kleingeschnitten wird mit möglichst wenig versiegelten Bodenflächen sorgt für ein Angebot von unterschiedlichem Baumaterial

3. Angebot von Nahrung:

Um früh im Jahr schon für ein Pollenangebot zu sorgen, bietet sich z.B. die Unterpflanzung von Obstbäumen mit Zwiebel-Frühlingsblühern an (Schneeglöckchen, Krokus, Märzenbecher, Traubenhyazinthe) oder, soweit es die Platzsituation hergibt, die Pflanzung der vor Pollen strotzenden Weiden (es gibt auch kleinwüchsige Arten für den Garten). Obstbäume wie Apfel oder Kirsche blühen auch relativ früh und werden aufgrund der zahllosen Blüten ungemein gerne von Bienen angeflogen.

Eine wichtige Säule zur Unterstützung von Bienen, Wildbienen und Hummeln im Garten ist die Pflanzung von pollen- und nektarreichen Stauden, wie Kugeldistel, Gelber Sonnenhut, Pfirsichblättrige Glockenblume, Sonnenbraut, Kokardenblume, Lavendel, Katzenminze, Bergminze, etc.
Die besonders wertvollen Königskerzen (z.B. Großblütige Königskerze, Kleinblütige Königskerze, Pracht-Königskerze) oder den nicht minder gerne angeflogenen Natternkopf finden Sie in jeder gut sortierten Staudengärtnerei, wobei diese Arten streng genommen eigentlich keine langlebigen Stauden, sondern 2-jährige Pflanzen sind, die im Jahr der Keimung als Grundblattrosette Energie tanken und erst im 2. (manchmal auch erst im 3.) Jahr blühen. Wenn diese Pflanzen die Gelegenheit zum Absamen haben, können sie sich dauerhaft im Garten etablieren. Vor allem die Königskerzen bilden unzählige Samen aus.
Bei der Pflanzenauswahl ist vor allem eines zu beachten: es sollten auf keinen Fall Pflanzen mit gefüllten Blüten verwendet werden! Denn diese sind züchterisch meist so verändert, dass die Staubblätter der Blüte, die eigentlich den Pollen liefern sollen, eben keine Staubblätter mehr sind, sondern zu Blütenblättern umgewandelt sind. Dementsprechend gibt es auf solchen Blüten also keinen Pollen zu holen; zudem stellen die gefüllten Blüten oft eine effektive Barriere für den Besuch des Blütengrundes durch Insekten dar.

Alternativ oder ergänzend zur Pflanzung von Stauden bietet sich auch die Ansaat von einjährigen Sommerblumenwiesen, wie z.B. die an der LWG Veitshöchheim entwickelten "Veitshöchheimer Sommerblumenwiesen" an, die wir in Kleinpackungen für 5 m² Ansaatfläche → in unserem Sortiment führen. Sollten Sie größere Mengen für eine bestimmte Maßnahme benötigen, kontaktieren Sie uns bitte per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Als mehrjährige Ansaatmischung ebenso für Wildbienen geeignet ist die Veitshöchheimer Bienenweide. Sie ist mit ihren zahlreichen, nektar- und pollenliefernden Pflanzen auch im Garten einen Versuch wert.

Sogar im Kräutergarten bietet sich die Möglichkeit, etwas für Wildbiene & Co zu tun: einfach immer jeweils einen Teils der kultivierten Kräuter erst nach der Blüte ernten. Die meisten haben für die kleinen Fluginsekten unwiderstehliche Blüten: Lippenblütler wie Salbei, Zitronenmelisse, alle möglichen Sorten von Minzen, Majoran oderThymian gehören hierzu, aber auch Schnittlauch oder Zwiebel.

Wer gerade nach passenden Sträuchern für den Garten sucht, die dann noch blühen, wenn viele Pflanzen damit schon längst durch sind und ein Magnet für Bienen und Hummeln sind, der kann z.B. nach Roseneibisch (nur Sorten mit nicht gefüllten Blüten!) oder Bartblume Ausschau halten. Einen reich gedeckten Tisch halten auch die verschiedenen Wildrosenarten mit ihren ungefüllten Blüten bereit.

Feuchte Stellen im Garten oder Teichränder können z.B. mit Blutweiderich, Wasserdost und Wasserminze bepflanzt werden. Diese Arten blühen spät und reichhaltig und stehen bei Wildbienen hoch im Kurs.

 Nicht nur die Wildbienen profitieren:

Vom dauerhaften Nahrungsangebot durch nektar- und pollenliefernde Blühpflanzen im Hausgarten profitieren neben den Wildbienen auch die Honigbiene, die Hummeln sowie natürlich auch Schmetterlinge, Schwebfliegen und zahlreiche Käferarten. Und derjenige, der sich die Mühe gemacht hat, den Garten etwas an den Bedürfnissen dieser nützlichen Insekten auszurichten, bekommt so ganz nebenbei die ganze Gartensaison lang ein spannendes und gleichzeitig lehrreiches Unterhaltungsprogramm geboten. Es lohnt sich!